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Im Februar 2000 löste die Angelobung der
FPÖ/ÖVP-Koalitionsregierung in Österreich Massendemonstrationen
aus, die sich zum Meilenstein in der internationalen
Demonstrationskultur entwickelte.
Mehr als zwei Jahre lang wanderten die sogenannten
„Donnerstagsdemos“ durch Wien.
Österreich, als kompromissbereites, streik- bzw.
demonstrationsträges Land bekannt, überraschte durch die
Vehemenz der Protestbewegung. |
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10 Jahre danach zieht diese Dokumentation Bilanz und spannt
einen Bogen von den massenmedialen Schlüsselaussagen über
Demonstrationskultur-Highlights bis zu Haiders Begräbnis in
Kärnten.
Persönlichkeiten unterschiedlicher Lager kommentieren
Filmmaterial, das großteils aus Privatarchiven stammt: u.a.
Josef Hader, Schauspieler und ehemaliger Schirmherr der "Botschaft des besorgten Bürgers";
Andreas Khol, ehemaliger ÖVP-Clubobmann und Gastgeber der
geheimen Koalitionsverhandlungen; Manuela Kräuter, einstige
Besetzerin des Dachs der ÖVP-Zentrale; Anneliese Gesswein,
Ex-ÖVP-Wählerin und "Demo-Oma" |
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AUSZUG AUS „DIE BESCHÄMTE REPUBLIK“,
Frederick Baker & Petra Herczeg (Hgs.) Czernin Verlag 2010
Jeden Donnerstag versammelten sich Demonstranten aus allen
Teilen der Stadt, so wie sich die Wasserpartikel in einer Wolke sammeln.
Wenn sich eine kritische Masse an Wandern versammelt hatte, ergoss sich
die Demo über die Strassen, wie ein Regenschauer sich ergießt, wenn die
Wolken voll genug sind. Die Flut der demonstrierenden Füße lief die
Strasse entlang, wie Wasser in vertrockneten Flussbetten. Die Demos
hinterließen symbolisch aufgefrischtes Territorium.
Die Demos können als mobiles Graffiti oder „Schriftzug“
gesehen werden. Eines Morgens im Februar 2000 machte ich mein Fenster
auf. Gegenüber sah ich ein riesiges „O5“ Graffiti auf der Holztäfelung
einer Baustelle. "O5" war der Anti-Nazi Code des Österreichischen
Widerstands im 2.Weltkrieg, und steht für „Oesterreich“. („O“ ist der
Anfangsbuchstabe und 5 steht für den zweiten Buchstaben „e“, den fünften
Buchstaben des Alphabets). Graffiti funktioniert als territoriale
Markierung. Es war, als ob das „Widerstands“-Tier durch die ganze Stadt
gegangen wäre und es zu ihrem Territorium erklären wollte.
Die Demonstranten zogen eine Linie, um sich deutlich von
der FPÖVP-Regierung abzugrenzen. So dass sie nicht angesteckt werden
können, so dass sie eine gesunde Distanz bewahren. Die Demos waren
mobiler als die Mauer, die von der Polizei am Ballhausplatz oder vor dem
Parlament mit Barrieren gemacht wird. Sie waren ein Paradoxon, sowohl
eine Mauer wie auch eine Prozession. Die
„Donnerstagsdemos“ oder „Wiener Wandertage“ liefen unter dem Motto „Wir
gehen bis ihr geht“. Erst nach den Neuwahlen am 24. November 2002 wurden
sie eingestellt.
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Fotos: Hannes Reisinger,
www.ewigesarchiv.at |
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